ISS Governance

Beobachtung

Wenn Verantwortung und Entscheidungsspielraum auseinanderfallen

Illustrative Situation; keine Darstellung eines konkreten Kundenfalls.

Die Situation

Eine Führungskraft trägt seit Monaten die Verantwortung für ein Projekt, das mehrere Abteilungen betrifft. Auf dem Papier ist sie zuständig. In der Praxis kann sie zentrale Entscheidungen jedoch nicht allein treffen. Sie benötigt Zustimmung aus zwei weiteren Bereichen, deren Zeitpläne sie nicht beeinflussen kann.

Die Spannung

Formal ist die Zuständigkeit eindeutig geregelt. Tatsächlich liegt die Entscheidungsfähigkeit an einer anderen Stelle, oder ist auf mehrere Personen verteilt, die sich nicht immer einig sind. Diese Lücke zwischen zugeschriebener Verantwortung und tatsächlichem Einfluss bleibt oft über lange Zeit bestehen, weil sie in keinem Organigramm sichtbar wird.

Auswirkung auf Menschen

Für die betroffene Person bedeutet das: Verantwortung ohne ausreichenden Handlungsspielraum. Entscheidungen verzögern sich nicht aus Nachlässigkeit, sondern weil die nötige Klärung fehlt. Über Zeit entsteht daraus Erschöpfung, Unsicherheit darüber, was tatsächlich erwartet wird, und die Erfahrung, verantwortlich gemacht zu werden für Ergebnisse, die man nicht allein beeinflussen kann.

Auswirkung auf das Unternehmen

Für die Organisation bedeutet das: Projekte verzögern sich an Stellen, die von außen nicht erkennbar sind. Reibung wiederholt sich in ähnlicher Form über verschiedene Bereiche hinweg. Risiken werden spät sichtbar, weil niemand eindeutig für die Eskalation zuständig war.

Wenn zusätzliche Abstimmung nicht ausreicht

Die übliche Reaktion ist, mehr Abstimmung einzuführen: zusätzliche Meetings, ausführlichere Berichte, neue Freigabeschritte. Das kann die Sichtbarkeit kurzfristig erhöhen. Bleiben Entscheidungsbefugnis und Verantwortung jedoch unverändert, kann zusätzlicher Abstimmungsaufwand die bestehende Lücke fortschreiben.

Fragen zur Orientierung

  • Gibt es Rollen in Ihrer Organisation, die formal verantwortlich sind, aber zentrale Entscheidungen nicht allein treffen können?
  • Wie lange bleibt eine solche Lücke typischerweise unbemerkt?
  • Wer bemerkt sie zuerst? Was passiert danach?
  • Wird bei wiederkehrender Verzögerung eher die Struktur oder die beteiligte Person betrachtet?

ISS Governance ordnet Situationen wie diese vertraulich ein: unabhängig, ohne vorschnelle Diagnose, außerhalb der internen Berichtslinie.